Warum verdünnt man Whisky mit Wasser?

Wie man den Whisky denn nun am besten genießt, darüber scheiden sich die Geister seit Jahren. Eine allgemeingültige Antwort scheint es nicht zu geben. Der Laie mixt das edle Getränk mit Zitrone oder Cola, der Kenner gibt mit einer Pipette Wasser in den Whisky. Was ist den nun die beste Variante und weshalb verdünnt man den edlen Whisky mit Wasser?

Warum verdünnt man Whisky mit Wasser und in welchem Verhältnis? | Delicious Berlin

Der Geschmack ist entscheidend

Die Fans des Whiskys hört man immer wieder darüber diskutieren, wie das Getränk denn nun schmeckt. Adjektive wie holzig, rauchig, torfig oder sogar moosig fallen dabei oft und werden als wichtige Attribute des Whiskys beschrieben.

Auch Geschmacksnoten von Malz, verschiedenen Früchten, Pfeffer, Karamell oder Schokolade werden durch Kenner im Single Malt erkennt. Nicht selten wundert sich der Laie über diese Beschreibungen und ergänzt seinen Whisky-Drink mit Cola, Zitrone oder Eis.

  • Während dabei den Whisky-Liebhabern Tränen in die Augen steigen, entwickelte sich Whisky-Cola oder Whisky-Sour zu den beliebtesten Getränken in Bars und Discos rund um die Welt.
  • Für Kenner darf jedoch maximal Wasser in den Whiskey und auch das wird kontrovers diskutiert. Denn auch hier bestehen viele Regeln. Das nicht selten aus den schottischen Highlands stammende Wasser wird per Pipette tröpfchenweise in das edle Getränk gegeben. Die geringe Menge des Wassers ist für Kenner entscheidend.

Analyse der Verdünnung

Forscher der Linnaeus University Centre for Biomaterials Chemistry in Kalmar in Schweden haben herausgefunden, weshalb der Whisky mit Wasser verdünnt wird.

Dazu haben sie das Zusammenspiel von Alkohol, Wasser und gewissen Whisky-Geschmacksstoffen analysiert. Wie auch der Laie weiß, kann der Alkoholgehalt zwischen den verschiedenen Whiskys erheblich variieren. Da praktisch alle Whiskyarten aus Getreidemaische gebrannt werden, kommt das Getränk mit Werten um die 70 Volumenprozent Alkohol ins Fass.

  • Durch die unterschiedlich lange Lagerung im Fass sinkt der Alkoholgehalt je nach Zeitdauer auf 65 bis 50 Volumenprozent. Bevor er anschließend in Flaschen gefüllt wird, wird der Whisky mit Wasser verdünnt und erreicht somit um die 40 Volumenprozent Alkohol.
  • Bei der Analyse konzentrierten sich die Forscher primär auf den Geschmacksstoff Guajacol. Diese pflanzenbasierte Substanz gelangt über die Lagerung in den Holzfässern in das Getränk. Sie errechneten Modelle, wie sich das chemische Verhalten von Ethanol (Alkohol), Wasser und Guajacol bei unterschiedlichen Verdünnungsgraden auf den Geschmack auswirkt.

Bei einem Alkoholgehalt von etwa 45 Prozent sammelt sich das Guajacol an der Grenzschicht zwischen Flüssigkeit und Luft und wird vermehrt freigesetzt. Dadurch wird der typische Geruch und der Geschmack des Whiskys verstärkt.

Steigt der Alkoholgehalt hingegen auf 59 Prozent oder mehr, sinkt der Stoff in das Getränk ab und verliert an Geschmack. Generell lässt sich folglich in der Spanne zwischen 45 und 60 Volumenprozent sagen, dass über je weniger Alkoholgehalt der Whisky verfügt, desto stärker sind die Geschmacksnoten durch den Stoff Guajacol.

Verdünnung mit Wasser

Das Verdünnen eines edlen und starken Whiskys mit Wasser sinkt folglich dessen Ethanol Konzentration und verstärkt damit dessen Geschmack.

  • Die Forscher aus Schweden erklären dies wie folgt: «Wir nehmen an, dass sich Geschmacksstoffe wie Guajacol bei höheren Ethanolkonzentrationen weniger gut entfalten». Damit beweisen die Forscher, dass die Verdünnung mit Wasser eine geschmackliche Veränderung des Whiskys zur Folge haben kann.

Einfluss auf den Geschmack

Allerdings ist dies mit Vorsicht zu genießen. Die Unterschiede sind marginal und durch den Laien wohl kaum zu erkennen. Zudem spielen nebst den analysierten chemischen Faktoren noch viele weitere Gegebenheiten mit.

Die Temperatur des Getränks sowie das individuelle Geschmacksempfinden jedes Menschen hat auch einen hohen Einfluss auf den Geschmack des Getränks. Weiter haben die Forscher ihr Modell sehr allgemein auf eine Lösung aus Ethanol, Wasser und Guajacol ausgerichtet und nicht mit echten Whiskys getestet. Die Produktionsweise sowie die Herkunftsländer und Aromastoffe haben weiterhin einen großen Einfluss auf den Geschmack des Whiskys.

Fazit

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass der Kenner seinen Whisky ganz sicher nicht mit Cola oder Zitrone mischt. Das Hinzufügen von Wasser hingegen dient einer Geschmacksverstärkung der Aromen im Getränk und ist daher in vielen Gegenden der Welt bei Whisky Liebhabern gerne gesehen.

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